Zufriedenheit ist eine Entscheidung
Dr. Margareta Büning-Fesel, Präsidentin der BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit Sitz in Bonn), Theresa Coßmann und Anne Panzer vom Rheinischem Land Frauenverband e.V. standen zur Statement Runde auf der Bühne.
Da uns der Wettergott mehr als gnädig war, konnte der Pressetermin, der durch die BLE und Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau organisiert wurde, im Kräutergarten sattfinden. Nachdem die drei Frauen gesprochen hatten, führten Theresa und ihr Vater Christoph über den Stautenhof. Bevor die Gesprächsrunde und der Erfahrungsaustausch mit Frauen aus dem Netzwerk der Demobetriebe und dem rheinischen Land-Frauen Verband stattfanden, konnten sich alle mit einem Imbiss aus Köstlichkeiten vom Stautenhof stärken.
Theresas Statement, das uns alle sehr berührt hat, möchten wir Ihnen hier nicht vorenthalten:
„Hallo zusammen,
ich bin Theresa vom Stautenhof, 33 Jahre alt und Landwirtin. Ich freue mich, euch alle hier begrüßen zu dürfen. Vielen Dank, Frau Büning-Fesel, für Ihre Worte!
Nach 6 Jahren des Lernens während der Ausbildung und der Fachschule, nach 10 Jahren aktiver Mitarbeit im Betrieb, nach 2 Corona-Jahren und den ersten wirtschaftlich schweren Jahren für den Ökolandbau infolge der Ukraine-Krise, haben wir uns entschieden: Wir wagen den Schritt zur Hofübernahme.
Ich bin sehr froh, diesen Schritt mit meiner Familie gehen zu dürfen, denn eine Hofübernahme ist nicht nur ein bürokratischer Akt. Sie ist ein Einschnitt. Sie ist ein Moment, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig am Tisch sitzen. Die Generation, die aufgebaut hat, die die übernimmt. Und die Generation, für die wir heute schon Entscheidungen treffen. Ein Hof ist nicht nur ein Unternehmen, er ist Lebenswerk, Identität und ein Zuhause.
Ich habe Eltern, die rücksichtsvoll sind, die loslassen können oder die loslassen und es eigentlich nicht gut können, es aber tun, weil sie wissen, dass es notwendig ist, und die mir gleichzeitig das Vertrauen schenken, eigene Wege zu gehen. Das ist nicht selbstverständlich. Während der Zeit zur Planung der Hofübernahme haben wir von vielen Beispielen gehört, wo es nicht so ist. Betriebsinhaber, die schon über 80 Jahre alt sind, wo die Enkel schon in den Startlöchern stehen, aber der Sohn den Betrieb noch nicht ein Jahr besaß. Betriebe, die sich nicht weiterentwickeln konnten, weil niemand richtig entscheiden durfte. Die Betriebe, die durch die nicht vorhandene Übergabe keinerlei Entwicklung mehr machen konnten. Gleichzeitig findet unsere Hofübergabe in einer agrarpolitisch anspruchsvollen Zeit statt. Als ökologischer Betrieb stehen wir grundsätzlich hinter einer Landwirtschaft, die Ressourcen schont, Tierwohl als oberste Priorität ansieht und langfristig denkt. Doch die politischen Rahmenbedingungen sind derzeit alles andere als verlässlich. Der aktuelle Kurs der Agrarpolitik stellt besonders Bio-Betriebe vor zusätzliche Unsicherheiten. Dabei braucht gerade die ökologische Landwirtschaft Stabilität und klare Perspektiven. Wir wirtschaften langfristig mit dem Gedanken der Kreislaufwirtschaft – mit weiten Fruchtfolgen, mehr Handarbeit, höheren Standards. Doch genau diese nachhaltige Wirtschaftsweise braucht politische Verlässlichkeit. Stattdessen erleben wir wechselnde Förderkulissen, steigende Bürokratie und sinkende Planungssicherheit. Wer nachhaltige Landwirtschaft fordert, muss auch die Bedingungen schaffen, unter denen sie wirtschaftlich überleben kann. Hinzu kommt, dass die Zukunft kleiner und mittlerer Betriebe insgesamt herausfordernd ist. Strukturwandel, Preisdruck, steigende Energie- und Lohnkosten sowie gesellschaftliche Erwartungen wachsen gleichzeitig. Landwirtschaft soll günstige Lebensmittel produzieren, höchste Umweltstandards erfüllen, Tierwohl garantieren und klimafreundlich wirtschaften. Das alles gleichzeitig umzusetzen, ist anspruchsvoll. Und dennoch: Ich bin überzeugt, dass unsere Art zu wirtschaften Zukunft hat.
Unsere Stärke als Familienbetrieb liegt in unserer Nähe zu den Menschen und den Tieren. In unserer Transparenz. In unserer Glaubwürdigkeit. Die Hofübernahme bedeutet für mich deshalb nicht nur, einen Betrieb weiterzuführen. Sie bedeutet, das Werk meiner Familie weiterzuentwickeln. Bestehendes zu bewahren, wo es sinnvoll ist – und Neues zu wagen, wo es notwendig ist. Wir bleiben unseren Grundwerten treu – und entwickeln uns weiter. Wir bleiben Familie – und doch ändern sich in gewisser Weise die Rollen. Das erfordert Geduld, Kompromissbereitschaft und Vertrauen. So wie ich es in all den Jahren als Frau in der Landwirtschaft erfahren durfte. Meine Eltern haben zur Geburt meiner jüngeren Schwester zu hören bekommen: “Keine Sorge, der Jung kann ja noch kommen.“ Meine Eltern haben mir jedoch nie das Gefühl gegeben, dass sie noch auf einen Jungen warten.
Meine Leidenschaft galt schon immer der Stallarbeit. Große Landmaschinen beeindrucken mich weniger als gesunde Tiere und funktionierende Abläufe im Stall. Ein bisschen grubbern, ein wenig Gras wenden oder Stroh fahren macht mir aber immer wieder Spaß. Bei meinem ersten Einsatz als Fahrer des Kartoffelroders brach die Hauptachse und der komplette Roder stand auf dem Feld, wie ein gesunkenes Schiff. Vielleicht war dies ein kleines Zeichen, dass nicht jeder alles machen muss. In unserem Betrieb lassen sich die Aufgaben ohne große Streitereien gut verteilen.
Natürlich habe ich Respekt vor dieser neuen und großen Aufgabe. Eine Hofübernahme ist nicht nur emotional, sondern auch betriebswirtschaftlich komplex: Investitionen, Liquiditätsplanung, Risikomanagement, langfristige Strategien. Gleichzeitig müssen familiäre Rollen neu definiert werden. Ich gehe diesen Schritt mit realistischem Blick auf die Herausforderungen. Aber ich gehe ihn auch mit Überzeugung. Ökolandbau hat Zukunft. Was wir brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen.
Ich wünsche mir, dass wir als kleine, verantwortungsvoll wirtschaftende Höfe nicht als nostalgische Ausnahme betrachtet werden, sondern als tragende Säule einer resilienten Landwirtschaft. Denn wir sind Lebensräume, Arbeitgeber, Landschaftspfleger und wichtige Anker im ländlichen Raum.
Ich danke meinen Eltern für das Vertrauen und das Fundament, das sie gelegt haben. Und dass sie mir immer mitgegeben haben: Zufriedenheit ist eine Entscheidung und wir haben uns entschieden, zufrieden zu sein. Und meinem Mann Christoph, dass er diesen Weg mit mir geht. Ich freue mich darauf, Verantwortung zu übernehmen – mit Respekt vor dem, was war, und mit Zuversicht für das, was kommt.“