Sommerweidehaltung auf dem Statuenhof

Konzept zur Weidehaltung auf dem Stautenhof und warum diese erhalten werden soll                          

- Natürlich, tiergerecht und ökologisch wertvoll -

Auf dem Stautenhof werden Rinder, Wasserbüffel und Schafe nach den Bioland- und Naturlandrichtlinien und während der Weideperiode vom Frühjahr bis Herbst auf der Weide gehalten. Unsere 15 Mutterschafe laufen auf der Weide vor dem Hof, die 3 ha groß ist und ausreichend Aufwuchs zur Ernährung der Tiere bietet. Zusätzlich erfolgt eine Zufütterung von Heu und Kraftfutter, um eine ausreichende Versorgung mit Rohfaser und Energie sicherzustellen.

Die jährliche Schafschur findet immer Anfang Mai statt, da wir – ebenso wie viele andere Betriebe – mit späteren Schurterminen schlechte Erfahrungen gemacht haben. Im Mai herrscht häufig warm-feuchtes Wetter, das ideale Bedingungen für Fliegenbefall schafft. Bei später Schur können sich in der dichten Wolle bereits Fliegeneier zu Maden entwickeln. Dies stellt eine erhebliche Belastung und Qual für die Tiere dar und wird durch die dicke Wolle oft erst spät erkannt. Mit dem Schurtermin Anfang Mai gehen wir dem Problem aus dem Weg.

Bei extremen Wetterlagen wie Schneeschauern oder länger anhaltendem Starkregen besteht jederzeit die Möglichkeit, die Tiere in den Stall zu holen. Den Schafen steht jederzeit ein Unterstand auf der Wiese zur Verfügung. Dieser besitzt an der Hauptwetterseite einen Windschutz und kann bei Bedarf versetzt werden, um die Bildung matschiger Flächen zu vermeiden. Im Winter stehen die Schafe überwiegend im Stall und werden an sonnigen Tagen zusätzlich auf die Weide gelassen.

Die Mutterkühe und weiblichen Mastrinder stehen im Winter im Stall und werden bei passender Witterung im Frühjahr auf die Wiesen gebracht. Dieser Tag ist für uns Landwirte der schönste Tag des Jahres. Die Freude der Tiere beim ersten Weidegang ist unbeschreiblich, daran erkennt man welchen Stellenwert die Weidehaltung für das Tierwohl besitzt. Ein Stall – so gut er auch gestaltet sein mag – kann die natürlichen Bedingungen einer Weide nicht vollständig ersetzen.

Die extensive Weidehaltung stellt aus unserer Sicht eine der tiergerechtesten und zugleich ökologisch wertvollsten Haltungsformen dar. Sie ermöglicht:

  • freie Bewegung & natürliche Sozialkontakte
  • arteigenes Verhalten
  • dauerhaften Zugang zu Frischluft
  • geringe Keim- und Schadgasbelastung & stabile Klauengesundheit
  • sowie die Nutzung ökologisch wertvoller Grünlandflächen

Die Rinder beweiden jedes Jahr wechselnde Flächen, da sie mit unserer mehrjährigen Fruchtfolge mitwandern. Im Rahmen unserer Kreislaufwirtschaft wird alle vier Jahre Kleegras als Leguminose eingesät und im Folgejahr als Weidefläche genutzt. In diesem Jahr stehen den 15 Rindern insgesamt 6 ha Weidefläche zur Verfügung.

Viele vergessen häufig, dass Rinder eine deutlich niedrigere Wohlfühltemperatur besitzen als wir Menschen. Durch den Verdauungsprozess im Pansen entsteht kontinuierlich Wärme – vergleichbar mit einer natürlichen „Biogasanlage“. Temperaturen, bei denen wir unsere Winterjacken wieder hervorholen, werden von Rindern oftmals als angenehm empfunden.

Bei hohen Temperaturen ist es uns wichtig, dass alle Tiere ausreichend Schattenplätze vorfinden. Dies wird durch überdachte Wagen gewährleistet. Auch bei Regen können die Tiere diese Unterstände aufsuchen. Zusätzlich erhalten die Rinder während der Weideperiode Heu- und Kraftfutter. Sobald die Witterung im Herbst dauerhaft ungemütlich wird, werden die Tiere wieder in den Stall gebracht. Unsere Wasserbüffel hingegen würden am liebsten ganzjährig draußen bleiben.

Wir halten zwei Wasserbüffelkühe, sowie einen Wasserbüffelbullen. Trotz ausreichendem Platzangebot im Stall zeigen die Tiere deutlich, dass sie sich insbesondere im Winter auf der Weide wohler fühlen. Aufgrund gesellschaftlicher Wahrnehmung und anhaltender Sorgen von Anwohnern werden sie dennoch in den Stall geholt.

Während der Weideperiode nutzen die Büffel eine für sie optimale Fläche mit großer Wasserstelle, die sie im Sommer intensiv zur Abkühlung nutzen. Die Weide ist von dichten Sträuchern, Bäumen und Hecken umgeben, die natürlichen Wind- und Wetterschutz bieten. Das sogenannte „Baggerloch“ umfasst rund 3 ha Fläche. Auch dort erfolgt ergänzend eine Zufütterung mit Heu. Unsere Weideflächen sind mit Tränken sowie Leckeimern zur Mineralstoffversorgung ausgestattet.

Leider nimmt die Weidehaltung von Nutztieren zunehmend ab, da sie arbeitswirtschaftlich und wirtschaftlich deutlich schwieriger als reine Stallhaltung darzustellen ist. Ein Mastbulle im Stall verdient sein Geld einfacher als ein Rind auf der Weide. Dennoch halten wir bewusst an der Weidehaltung fest, weil wir überzeugt sind, dass dies die beste, natürlichste und tiergerechteste Form der Haltung von Wiederkäuern darstellt.

Weidetiere leisten darüber hinaus einen erheblichen Beitrag:

  • zum Erhalt artenreicher Wiesen
  • zur Förderung von Insekten und Bodenleben
  • zur Offenhaltung der Kulturlandschaf
  • zum Schutz von Dauergrünland
  • sowie zur regionalen und nachhaltigen Lebensmittelproduktion

Ein einzelner Kuhfladen kann Lebensraum und Nahrungsgrundlage für zahlreiche Insektenarten bieten. Extensive Weidesysteme tragen damit aktiv zur Biodiversität und zum Erhalt unserer Kulturlandschaft bei.

Vor diesem Hintergrund sehen wir die Forderung nach großen, stallähnlichen Unterständen auf sämtlichen Weideflächen kritisch. Aus unserer Sicht müssen Anforderungen stets verhältnismäßig sowie fachlich und praktisch umsetzbar bleiben. Insbesondere bei saisonaler Sommerweidehaltung erscheint die Errichtung fester Stallanlagen auf jeder Fläche weder baurechtlich möglich noch zielführend oder notwendig. Entscheidend für das Tierwohl ist aus unserer Sicht nicht allein das Vorhandensein baulicher Anlagen, sondern die tatsächliche Betreuung und Versorgung der Tiere unter Berücksichtigung von:

  • Jahreszeit und Witterung
  • Gesundheitszustand der Tiere
  • natürlichen Schutzmöglichkeiten
  • sowie eines verantwortungsvollen Herdenmanagements

Unsere Tiere werden regelmäßig kontrolliert und bedarfsgerecht versorgt. Gleichzeitig ermöglichen wir ihnen über viele Monate im Jahr ein Leben auf der Weide mit Bewegung, frischer Luft, Sozialkontakt und natürlichem Verhalten.

Wir sehen die Weidehaltung auf dem Stautenhof daher als tiergerechte und ökologisch wertvolle Haltungsform an. Als ausgebildete Landwirtschaftsmeister und Agrarbetriebswirte tragen wir die Verantwortung für unsere Tiere mit großer Sorgfalt und Überzeugung. Unser Ziel ist eine Landwirtschaft, die Tierwohl, Naturschutz und praktische Umsetzbarkeit miteinander verbindet – mit Kühen auf der Weide, Wasserbüffeln am Wasserloch und Lämmern mit ihren Müttern im frischen Grün. Weil Weidehaltung die artgerechteste Form der Tierhaltung bedeutet!

Ihre Familie Leiders und Familie Coßmann

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